Mittelstandsfinanzierung 4.0

Deutsche Finetrading AG stellt FinTechs für Mittelständler vor

Frankfurt-City, Nextower, 18. Etage – wer hier aus den bodentiefen Fenstern schaut, hat den Überblick. Den wollten beim Business Breakfast der Deutschen Finetrading AG (DFT) rund 50 Finanzexperten aus der Mainmetropole ebenfalls gewinnen. Veranstalter und DFT-Vorstand Dirk Oliver Haller hatte eingeladen und Anwälte von Taylor Wessing stellten ihre repräsentativen Konferenzräume zur Verfügung.


Thema des Morgens: Mittelstandsfinanzierung 4.0. Schon die Überschrift verdeutlicht, um was es den Referenten – Vertretern von FinTech-Firmen – geht. Die frischen Mitspieler im Finanzsektor wollen als Alternative zum klassischen Hausbankkredit wahrgenommen werden. Eindrücklich veranschaulichen Daniel Bartsch von creditshelf, Friedrich Hubel von Lendico, Oliver Schmid von iwoca sowie Andree Tank von interFin, mit welchen Vorteilen ihre FinTechs gegenüber den etablierten Kreditinstituten punkten.
Zum einen sind sie schnell. Etwa wenn es um die Genehmigung eines Kredits für kleine und mittelständische Unternehmen geht. Von 48 Stunden ist bei interFin, iwoca und Lendico die Rede. Innerhalb von zwei Arbeitstagen wüssten die Antragsteller, ob sie einen Kredit bekommen. Gründe für dieses hohe Tempo sind zum einen IT- optimierte Analyseprozesse und die Einfachheit der Produkte. Zum anderen unterliegen FinTechs nicht den strengen Regularien der Kreditaufsicht – im Gegensatz zu Banken, wo Kreditentscheidungen oft Wochen dauern, wie die Experten von ihren Kunden wissen.
Allerdings hebt genau an diesem Punkt Thomas Kahl von den Hausherren Taylor Wessing seinen Finger. Der Rechtsanwalt sieht die FinTechs in der Pflicht. Zwar seien die neuen Mitspieler oft reine Vermittler (unechtes Peer-to-Peer-Lending), trotzdem sollten sie Richtlinien und Gesetze zu Datenschutz, Recht auf Privatsphäre und IT-Compliance im Auge behalten. Ansonsten reicht das Portfolio der FinTechs von Kreditsummen ab 1000 Euro bei interFin und iwoca – wobei interFin onlinebasiertes Finetrading (Warenkredit) ist und iwoca einen klassischen Kredit anbietet – bis hin zu Creditshelf. Deren Onlineauktion läuft über einen geschlossenen Investorenkreis und geht bei 100.000 Euro Finanzierungssumme los. Lendico startet bei 10.000 Euro Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft.
Auch hinsichtlich Laufzeiten bietet der Online-Kapital-Markt Vielfallt. InterFin ist als Zwischenhändler für kurze Zeiträume ideal: 30 bis 180 Tage Laufzeit sind zum Vorfinanzieren etwa für Frachten von China nach Deutschland geeignet. Oder um kurzfristig das Warenlager aufzubauen, weil etwa ein Sonderposten günstig erstanden werden kann. Iwoca finanziert von einem bis sechs Monaten und Lendico von einem bis fünf Jahren. Die Creditshelf-Laufzeit startet ebenso bei mindestens einem Monat.


Für Anleger und Investoren sind die Fintechs deshalb interessant, weil Mittelständler hier bereit sind, höhere Zinsen zu bezahlen. Dafür müssen sie den Online-Kreditgebern/-vermittlern keine Sicherheiten geben. Um die fünf Prozent Zinsen versprechen die Anbieter. Abhängig von der Risikobewertung des angefragten Kredits. Schlussendlich sprechen die Zahlen für die FinTechs. 80 Prozent aller Kreditinstitute wollen mit den neuen Marktteilnehmern zusammenarbeiten – oder planen, einen zu kaufen. Für Anleger sind die Investments ebenfalls interessant. Als Portfolio-Ergänzung mit überschaubarem Risiko. Denn die FinTechs deckeln die Arrangements mit Obergrenzen. Maximal 10.000 Euro pro Anlage sind üblich, wenn es um Gelder aus der Crowd geht. Professionelle Anleger „kaufen“ auch mal die komplette Kreditanfrage, heißt es etwa bei Creditshelf.

Vortrag interFin, DFT Deutsche Finetrading AG