Liquiditätsmanagement: So bleiben Sie flüssig

7 Tipps, damit ihr Unternehmen flüssig bleibt

VON DIRK OLIVER HALLER

Spüren Sie Grau-Lager auf, denn die kosten Geld. Seien es zusätzliche Päckchen Schrauben an der Werkbank oder Extra-Druckerpapier im Büroschrank. Spüren Sie diese Lager auf. Diese werden „grau“ genannt, weil Sie entstehen, wenn es keine klaren Regeln bezüglich Lagerplätzen von Roh-, Halb- und Fertigwaren gibt. Oder kein Bewusstsein dafür, dass diese Regeln einzuhalten sind. Auch ziehen sie Folgekosten nach sich. Blockiert ein Lagergut einen Verkehrsweg, gehen Kollegen Umwege oder die Berufsgenossenschaft bemängelt, dass Fluchtwege zugebaut sind. Im Schadensfall kann das teuer werden.

Schreiben Sie täglich Rechnungen, nicht nur einmal im Monat. Sobald ein Auftrag erledigt ist, geht die Rechnung automatisch raus. Wenn Sie Skonto gewähren ist es clever, dieses als Geldbetrag auszuweisen. So sieht Ihr Kunde sofort, wie viel er spart, wenn er sofort bezahlt. Geht das Geld nicht pünktlich ein, rufen Sie Ihren Kunden persönlich an. Fragen Sie ohne Vorwurf nach dem Grund der säumigen Zahlung. Und bieten Sie Hilfe an, falls Ihr Kunde in Liquiditätsproblemen steckt. Das können Teil- und Ratenzahlungen sein. Vielleicht ist Ihre Rechnung aber auch nur im Trubel unter gegangen.

Zahlen Sie sofort Ihre Rechnungen. Dann können Sie Skonto ziehen und gelten als Sofortzahler, was Ihnen bei künftigen Preisverhandlungen hilft. Viele Firmen gewähren zusätzliche Rabatte, wenn sie keinen Lieferantenkredit geben müssen. Wenn Ihre Kontokorrentlinie bei der Bank dafür nicht ausreicht oder Sie diesen für andere Zwecke als Warenbeschaffung einsetzen wollen, erweitern Sie Ihren Finanzierungsmix. Finetrading ist hier eine immer stärker wachsende Alternative, weil sie Ihnen die Vorteile eines Sofortzahlers bietet – Sie aber bis 120 Tage Zahlungsziel haben.

Die Parteien beim Finetrading
Ablauf eines Finetrading-Geschäfts

Verhandeln Sie Zahlungsmodalitäten. Und lehnen Sie auch mal Aufträge ab, wenn diese nicht lukrativ sind. Speziell bei Neukunden, deren Bonität ungeprüft ist, sollten Sie vorsichtig sein und über Geldflüsse wie Vorauskasse oder Abschlagszahlungen im Vorfeld verhandeln. Auch eine Bankbürgschaft zu fordern, ist bei Kunden mit schwacher Bonität üblich. Wenn die Firma Pleite geht, droht Ihnen ein kompletter Forderungsausfall. Andernfalls ziehen sich Zahlungen Monate lang hin, Sie sind dann die Bank des Kunden. Auch das schadet Ihrer Liquidität.

Senken Sie Ihre Kreditgebühren: Steht ein Großauftrag oder ein umsatzstarkes Saisongeschäft an, suchen Sie für die Warenfinanzierung nach Kreditalternativen zur Hausbank. Grund: Kontokorrent-Überziehungen der sind meist teuer. Und Bewilligungen (gegen zusätzliche Sicherheiten seitens der Bank) ziehen sich oft hin. Meistens sind Angebote auf dem online Kapitalmarkt günstiger als hohe Überziehungszinsen.

Verteilen Sie Großaufträge auf mehrere Schultern. Wer mit einem großen Auftrag mehr als die Hälfte seiner Kapazitäten bindet, handelt fahrlässig. Schaufeln Sie Ressourcen frei, indem Sie sich passende Kooperationspartner suchen. Bedienen Sie mit diesen gemeinsam den Großauftrag. Das wird sich positiv auf Ihr Liquiditätsmanagement auswirken, weil wenn im Streitfall Zahlungen verschleppt werden oder gar ausfallen, ist ihr Delkredererisiko gemindert.

Rechnen Sie richtig, wenn Sie investieren wollen. Folgekosten wie Wartung, Reparatur oder zusätzliches Personal gehen ins Geld. Kalkulieren Sie diese bereits mit ein, wenn Sie Investitionen etwa in Vertrieb oder Maschinenpark vornehmen wollen. Prüfen Sie, ob Sie die Investitionen auch im Falle eines Umsatzrückgangs stemmen können. Falls nicht, dann wählen Sie besser einen Weg über Subunternehmen oder Outsourcing.