Fahrradhändler auf Erfolgsspur mit Finetrading

Im Radfieber

Fahrräder sind in Deutschland hoch im Kurs. In Großstädten finden sich unzählige der Zweiradliebhaber auf den Straßen wieder. Aber individuell soll der Drahtesel sein. Das hat Marcel Jansen aus Holland frühzeitig erkannt, gründete einen Fahrrad-Accessoire-Laden in Köln und expandierte. Ermöglicht auch durch Finetrading.

Zweiräder sind Saisongeschäft. Das weiß auch Marcel Jansen. Der Geschäftsinhaber von „Liix“ und „Radfieber“ im Belgischen Viertel in Düsseldorf muss seine Ware im Oktober bestellen. Im Januar kommt die Lieferung. Ab März kann er die Teile erst verkaufen. Das verlangt nach Überbrückungszeit zwischen Wareneingang und Saisonauftakt im Frühling. Bezahlt werden müssen sechsstellige Beträge im höheren Segment. Die Lösung: Finetrading. Ein Freund aus der Finanzbranche brachte Jansen darauf, als er nach alternativen Krediten sucht. Variable Zahlungsziele, verbesserte Liquidität und geringe Bürokratie überzeugen ihn. So kann Jansen bis zur Saison durchatmen und sich auf die kommende Verkaufszeit konzentrieren. Als einziges Manko nennt er die etwas höheren Zinsen im Vergleich zu Banken.

Ausgefallenes Fahrradzubehör
Fahrradzubehör von Liix – Einkaufsfinanzierung über Finetrading (Foto Radfieber)

Schon sein Großvater bediente das Klischee. Er handelte im holländischen Haarlem mit Fahrrädern. Sein Vater folgte und so lag es nahe, dass auch Marcel Jansen die Dynastie weiterführt. Jedoch mit Umwegen. „Ich wollte ursprünglich nicht in die Fußstapfen meines Vaters treten“, erzählt er. Stattdessen wollte er BWL studieren und etwas „Ordentliches“ arbeiten. Nebenbei jobbte er beim WDR als Kameramann, am Wochenende half er seinem Vater im Laden. Schnell merkte Jansen, dass Kameramann nicht seine Berufung war. Die Drahtesel holten ihn ein.

Zeitensprung: Liix geht durch die Decke. Jansens abgebrochenes BWL-Studium reicht, um zu erkennen, dass er an einen Punkt gekommen ist, wo er über weitere Finanzmodelle nachdenken sollte. Die Saisonware wie Klingeln und Fahrradkörbe sollen in großen Mengen vorfinanziert werden. Bisher funktioniert dies aus dem Cashflow. Weitere Anbauten oder Gebäude sind zeitgleich jedoch unmöglich zu finanzieren. Das Problem: Seine Lieferanten sitzen in Japan. Dort sind viele Unternehmen im Januar aufgrund von Feiertagen geschlossen. Die Ware muss demnach mit einem Vorlauf von zwei Monaten, also im Oktober, bestellt werden. Liix wächst stetig; sodass Jansen 2005 überlegte, in ein Industriegebiet umzuziehen. Große Hallen, kühles Klima inklusive. Angesichts der Auftragslage wäre das für jeden BWLer intelligent.

Doch die Geschichte hinter seinem Beachcruiser- und Accessoire-Handel würde in solchen Hallen untergehen. Diese handelt von zwei Freunden, die beschließen nach dem Bankrott eines US-Vorbildes ihr eigenes Fahrrad-Label Electra zu gründen. Die  Accessoires dafür kommen aus Taiwan. Die schicken Teile wecken die Aufmerksamkeit anderer Fahrradhändlern. Aufträge vermehrten sich, ein eigener Laden muss her. Genervt von fehlenden Lieferanten für Fahrradaccessoires und der hohen Nachfrage nach individuellem Zubehör, reicht die Gründung von Radfieber aber nicht aus. In den 90ern gründet er zusätzlich den Fahrrad-Accessoire-Laden Liix.

Der Name setzt sich aus den Vornamen seiner Töchter Lil und Trix zusammen. Verzierte Klingeln oder Sattelbezüge – Hauptsache bunt und ausgefallen – kommen gut an.

Heute freut sich der 42-Jährige über seinen erhaltenen Standort. „Hier sind viele Künstler, Studenten und andere Freidenker“, erzählt Jansen. Da sitzt der Unternehmer gerne in einem Cafè und lässt sich von neuesten Trends und den Menschen inspirieren. Das ist ihm mehr wert, als eine große Halle.